Medieneinsatz Grundschule PDF Drucken E-Mail

Digitale Medien in der Grundschule?

Bereits seit den 80er Jahren wird an der Turmbergschule (damals noch Grund- und Hauptschule) verstärkt mit den sogenannten "neuen Medien" gearbeitet. In landesweit beachteten Projekten zum Computereinsatz (z.B. "Mit Fahrrad und Maus durchs Taubertal", 1998) sowie im Zusammenhang mit Lernprogrammen in der Grundschule konnten wir seither Erfahrungen sammeln, die wir nun bei der Umsetzung des Projektes "Medienerziehung früh beginnen" gewinnbringend einsetzen wollen.

In der Diskussion über den frühen Einsatz digitaler Medien im Unterricht werden oft Argumente ins Feld geführt, die einer genaueren Betrachtung nicht standhalten. Einige davon möchte ich hier wiedergeben:

Kinder sollen zunächst mal Lesen und Schreiben lernen, bevor sie sich mit dem Computer auseinandersetzen.

Das ist sicherlich richtig und wird auch von niemandem bestritten. Im Gegenteil: Texterfassen und Rechtschreibung wird immer wichtiger, noch nie wurde so viel gelesen wie seit der Verbreitung des Internet!

Daher wird jede Schule zunächst diese Grundfähigkeit bei allen Schülerinnen und Schülern zu stärken versuchen. Und auch dabei kann der Computer ein wichtiges Hilfsmittel sein. Sowohl für die Diagnose bestimmter Probleme wie auch für die Erarbeitung und die Einübung der Lese- und Schreibkompetenz ist er ein unbestritten nützliches Instrument. (z.B. "GUT")

Der Schrifterwerb - vor allem die Handschrift - wird durch die Arbeit am Computer vernachlässigt.

Texte am PC zu verfassen soll handschriftliche Texte nicht ersetzen, sondern als ergänzendes Angebot verstanden werden. (Unterricht bereichern, unterschiedliche Zugänge zum Schreibvorgang anbieten).

Didaktisches Repertoire der Lehrkraft zur Unterstützung des eigenständigen, selbstbestimmten und individuellen Lernprozesses des Lernenden wird erweitert (betrifft sowohl die Rechtschreibung als auch den Bereich „Texte verfassen und gestalten“).

Kinder, die Probleme mit der Feinmotorik haben, können „endlich“ Erfolgserlebnisse erfahren. Ihr Produkt sieht getippt viel schöner aus.

Frustrierende Erfahrungen mit wiederholten Korrekturmaßnahmen bei eigenen Texten werden reduziert.

Rechtschreibübungen am PC wirken motivierender auf Grundschülerinnen und -schüler als gedruckte. Rechtschreibhilfen der Schreibprogramme bieten verschiedene Möglichkeiten an, die wiederum Lesekompetenz und Sprachverständnis fördern.

Lernsoftware zur Rechtschreibung oder Lern-Portale aus dem Web (z.B.: www.horchmal.net - kostenlos!) können von der Lehrkraft individuell auf den einzelnen Lernenden abgestimmt werden (individuelle Erfolgserlebnisse, Lernfortschritte, Zugänge).

Durch Verwendung von Audio-Funktionen ist das Schreiben nach Diktat einfach einzuüben (Lautdifferenzierung, individuelles Tempo, individuelle Ansprüche)

Nur natürliche Schreibanlässe geben den Kindern die Motivation selbständig an ihrer Schreibfertigkeit zu arbeiten

Genau. Und was sind natürliche Schreibanlässe?

Das Schulnetz und das Internet als Mittel der Kommunikation bieten echte authentische Schreibanlässe und fördern den individuellen Kontakt zwischen Lernenden und der Lehrkraft und den Mitschülern untereinander, beispielsweise bei Schreibkonferenzen.

Kinder schreiben ganz selbstverständlich eine E-Mail an die Großeltern, an Verwandte und Freunde, um ihnen - auch aus der Schule - zu berichten.

Texte mit Adressatenbezug zu verfassen wird sinnvoll eingeübt. Digitale Texte können digital ausgetauscht, diskutiert und korrigiert werden, ohne Ausdrucken. (Bspl.: www.mymoment.ch, paedML Musterlösung mit den Funktionen: austeilen, einsammeln und tauschen)

Der Werkzeugcharakter des Computers als Kommunikationsmittel kann frühzeitig pädagogisch begleitend vermittelt werden (E-Mail-Funktion bei www.antolin.de, www.mailkids.de ).

E-Mail-Kontakte zu Partnerschulen anderer Länder (auch Homepages, eTwinning-Projekte www.eTwinning.net,) fördern den Kontakt, verdeutlichen den Sinn von Fremdsprachkenntnissen und führen in die vernetzte Welt, wie sich uns heute darstellt, ein.

Mit Chancen und Gefahren des schriftlichen Austausches im Internet sollte rechtzeitig bekannt gemacht werden und Auswirkungen von Cyber-Mobbing so früh wir möglich thematisiert werden, um Missbrauch zu vermeiden (3./4. Klasse - Vorpubertät. Im häuslichen Umfeld verfügen mittlerweile fast alle Grundschüler über Internetzugang.)

Die Veröffentlichung eigener Artikel auf der schuleigenen Homepage wertet die Texte der Kinder auf und nimmt diese damit ernst. Sie bringt Anerkennung, wenn die Oma aus Hamburg oder der Onkel aus den USA darauf zugreifen können.

Lesen kann man nur mit einem Buch lernen

Bücher sind wichtig. Dennoch steht fest:

Internetrecherche fördert die Lesekompetenz. Sachinformationen werden mit Hilfe von Kindersuchmaschinen ermittelt.

Das selbstständige Suchen und Finden von Informationen fördert die Motivation der Grundschüler. Kindersuchmaschinen sind grundschulgerecht konzipiert.
Webquests und individuelle Lernjobs mit vorgegebenen Links oder anderen Medien als Informationsquellen (wie übrigens auch das Buch!) funktionieren über das Lesen.

Gute Erfahrungen bezüglich der Lesemotivation und Verbesserung des Textverständnisses werden mit dem Schreibportal Antolin (Schroedel, www.antolin.de) gemacht. Vor allem bei Jungen, die den Wettbewerb lieben, kommen die Lesequiz-Aufgaben und das damit verbundene Punktesammeln sehr gut an.

Das kostenlose Internet-Portal www.internet-abc.de bereitet auf das Navigieren im Internet vor und bietet eine Fülle von Informationen rund um das Internet und vieles mehr, speziell für Grundschüler.
Anleitungen beliebter PC-Lernspiele müssen erlesen werden.

Grundschüler sollen erstmal das Einmaleins lernen, bevor sie sich elektronischer Hilfsmittel bedienen

Selbstverständlich liegt das Hauptaugenmerk in der Grundschulmathematik auf dem Erwerb der Grund-Rechenfähigkeiten. Auch hierbei kann die Arbeit am Computer eine Hilfe sein:

Gute Lernsoftware analysieret den Leistungsstand, stellt den Kindern individualisierte Übungen zur Verfügung, gibt persönliche Rückmeldungen und motiviert zur Steigerung der Anforderungen.

Ein gutes Programm oder ein Video-Tutorial veranschaulicht abstrakte Zusammenhänge.

Ähnlich wie "Antolin" im Bereich Lesen stellt der "Zahlen-Zorro" eine Lernplattform dar, über die Schüler und Lehrer kommunizieren, Übungen erstellen und erledigen, Rückmeldungen geben und Belohnungspunkte sammeln können. Die Arbeit kann sowohl in der Schule als auch am Nachmittag erfolgen.

Standard-Malprogramme wie Paint bereichern den Unterricht im Bereich Raum und Ebene.

Mit Hilfe von Diagrammen werden Daten und Sachsituationen anschaulich vermittelt (oder von Schülern selbst dargestellt).

Das Anlegen, Speichern und Sortieren von persönlichen Ordnern im Homeverzeichnis eines Schulnetzes erfordert und schult logisches Denken, Erkennen von Strukturen und die Entwicklung von Strategien der Problemlösung.

Die Arbeit am Computer ist nichts für Grundschüler. Sie sollen Sachverhalte ganzheitlich erfahren.

Neue Medien bereichern den ganzheitlichen Unterricht. Sie ersetzen ihn nicht.

Der Umgang mit dem Computer als Lerngegenstand findet zum größten Teil integrativ im Unterricht statt.

Die Medien bieten sogar neue Anlässe, die Umwelt ganzheitlich zu erkunden. Eine gemeinsame Seite zu unserem Heimatort wird durch Expeditionen mit Block und Kamera ebenso vorbereitet wie ein selbstverlegtes Baum-Bestimmungsbüchlein.

Oft lernen Kinder im Grundschulalter untereinander sehr schnell bestimmte technische Abläufe intrinsisch - ohne Genderproblematik, Jungen wie Mädchen.

Balance zwischen Instruktion und Konstruktion, individuelle Lernjobs, Partnerarbeit und Teamwork werden durch Arbeitsangebote am Computer, bzw. Projekte oder Webquests mit neuen Medien unterstützt. (http://www.grundschule-friedrichsfehn.de/projekte/zoowebquest/index.html )

Interaktive Medien in alle Klassenzimmer zu bringen überfordert die Schulen und die Lehrer

Die notwendigen Investitionen halten sich mittlerweile in überschaubaren Grenzen.

Eine interaktive Tafel kostet beispielsweise nicht wesentlich mehr als eine Kreidetafel neuester Generation. Der Internetanschluss kann in den meisten Fällen über die vorhandene Verkabelung oder kabellos erfolgen.

Endgeräte für den Einsatz an der Grundschule müssen nicht mit High-End-Technik ausgestattet sein, sondern sollten eher emissionsarm und leicht zu bedienen sein.

Lehrer werden durch die Möglichkeit einer zentralen Administration aller Geräte - zum Beispiel über das Support-Netz des Landes - enlastet und können sich mehr den pädagogischen Fragen als den technischen Problemen zuwenden.

Digitale Arbeitsblätter können - einmal gespeichert - viel einfacher variiert oder individuell auf die Klassensituation angepasst werden als Printmedien.

Webquests oder andere Projekte mit neuen Medien fördern das selbstständige Arbeiten (die Selbsttätigkeit) der Lernenden. Die Lehrkraft hat dann Zeit für schwächere Schüler. http://www.math.uni-frankfurt.de/~schreibe/WQ_MC/einleitung.htm

Das Internet bietet die Chance, bei fast jeder auftauchenden Frage aus dem Unterrichtsgespräch in Sekundenschnelle eine Antwort zu finden. www.blinde-kuh.de, http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/

U. Neumann

vgl. dazu auch: Monika Lüthje-Lenhart, Argumente für den Computereinsatz, v. 22.09.2010
 
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